Die Ausgrabungen auf der Harzburg

                      
Mit dem Anbruch der neueren Zeit wuchs auch das historische Interesse an der Harzburg. Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden ernst zu nehmende wissenschaftliche Quellenstudien betrieben.Werke des Harzburger Forstschreibers Leonhard und des Wernigeröder Regierungsrates Delius führten dazu, dass die Ruinen nicht mehr nur als Steinbruch oder unliebsames Geröll angesehen wurde, sondern nach dem damaligen Verständnis und Vermögen gesichert wurden. Der in Harzburg wirkende Forstrat Robert Nehring unternahm in den Jahren zwischen 1902 bis 1904 umfangreiche Grabungen, die zwar nach dem heutigen Standard viele Unzulänglichkeiten aufwiesen, aber dennoch grundlegende Erkenntnisse über die bauliche Gestalt der mittelalterlichen Burg erbrachten. Das war nicht ganz einfach, denn in den Jahrhunderten, in denen die Burg existierte, wurde zerstört, aufgebaut, abgerissen und abgelagert, so dass letztlich ein ziemliches Durcheinander entstanden war. Während und nach der Zeit der ersten Grabung wurden Teile der Burg wieder aufgeführt. Beispielsweise wurden an mehreren Stellen Reste der Ringmauer ergänzt. Ferner wurde das Innere und die zusammengefallene Nordseite des so genannten Pulverturms, der Kaiser Otto IV. zugeschrieben wird, neu aufgebaut. Heute hat der Pulverturm, in dem einst sogar die Reichsinsignien aufbewahrt wurden, eine umfangreiche Restaurierung durch den Förderverein Historischer Burgberg und mit Hilfe von Sponsoren erfahren. Der Turm wurde gesichert, Teile neu aufgemauert und oben eine Aussichtsplattform installiert, die einen Blick auf die Ostburg ermöglicht und damit auf wesentliche Anlagen der alten Salierburg.

Die nächsten Grabungen erfolgten 1958 bis 1960 durch das Braunschweigische Landesmuseum für Geschichte und Volkstum. Sie wurden von Hans-Adolf Schultz geleitet.

Einen erheblichen Fortschritt verzeichnete die Harzburg-Forschung durch die großflächigen Ausgrabungen des Amtes für Denkmalspflege Hannover unter der Leitung von Maria Keibel- Maier in der Zeit von 1970 bis 1975. Die Grabungen wurden durch geplante Bauvorhaben auf dem Areal der so genannten Ostburg ausgelöst, die allerdings zur Freude der Denkmalsfreunde nie zum Tagen kamen. Untersucht wurde der ganze Ostteil und kleine Flächen der Westburg im Bereich eines dort geplanten Cafés, das dann auch realisiert wurde. Nach Abschluss der Arbeiten wurden wenigstens auf dem Ostteil ein Großteil der Mauerbefunde denkmalpflegerisch gesichert und mit Hinweistafeln versehen.
Die freigegrabenen Mauerreste auf dem Westteil wurden durch den Bau des Cafés überdeckt oder zerstört. Die bei allen Grabungen gemachten Funde, soweit sie noch vorhanden sind und vom Landesmuseum gesichert wurden, können heute in einem Museum in der Remise betrachtet werden. Eine Initiative von Förderverein Historischer Burgberg, Harzklub-Zweigverein Bad Harzburg und des Landesmuseums in Braunschweig hat im Zusammenwirken mit Sponsoren eine Möglichkeit geschaffen, die Funde in angemessener Form in der Stadt Bad Harzburg selbst zu präsentieren. Die restaurierten Reste des Turms, der Kaiser Otto IV. zugeschrieben wird.

 

                     Die Burgreste heute


Die Burgruinen verteilen sich heute auf einen östlichen und einen westlichen Teil des Gesamtareals. Insgesamt sind allerdings nur wenige Reste überhaupt erhalten. Die beiden Teile werden durch einen Graben geteilt. Wann der Abschnittsgraben entstand, ist nicht genau festzustellen. Vermutlich bildete die Burg Heinrichs IV. noch eine Einheit, und der Graben wurde geschaffen, als sich in späteren Zeiten die Burganlagen auf den westlichen Teil beschränkten. Die Ost- und die Westburg wurden 1902 durch eine steinerne Brücke verbunden, die sich über den bis dahin trennenden Graben spannt.

Die ältesten Baureste aus dem 11. Jahrhundert wurden bei den Ausgrabungen der 70er Jahre überwiegend auf dem östlichen Teil freigelegt. Sie sind heute als aufgehendes Mauerwerk sichtbar und durch Hinweisschilder der Gesamtanlage zuzuordnen. Durch die topografische Eigenart des Burgberges war die Ostseite die am meisten zu sichernde. Hier entstanden dann auch entsprechende Befestigungswerke. Insbesondere ins Auge fallen die Reste eines Burgtores mit Torkammer an der Südseite sowie die Fundamente eines Palas’ und eines runden Turmes. Im Gegensatz zu den großen Flächengrabungen im östlichen Teil ist auf der Westburg nur ein kleiner Bruchteil der Gesamtfläche freigelegt worden. Deshalb gibt es auch nur wenige sichtbare Überreste der ersten Burg. Die meisten Zeugen aus alter Zeit wurden dann auch noch 1976 durch ein Café überbaut.

 

Förderverein Historischer Burgberg Bad Harzburg eV.
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